16 Mai 2020

Maikäfer flieg!


Liebe Leser dieser Zeilen,
in der vergangenen Woche suchte ich im Bücherregal nach einem Kochbuch  mit Rezepten von Goethes Mutter.
Dabei fiel mir ein Jugendbuch, welches ich vor einigen Jahren gelesen hatte, in die Hände. Ich erinnerte mich noch genau an den Inhalt denn es gehörte zu meinen Lieblingsbüchern.
 „Maikäfer flieg“ Mein Vater, das Kriegsende, Cohn und ich.
Geschrieben von der begnadeten Jungendbuch Literatin Christine Nöstlinger.
Beim Lesen dachte ich an die gegenwärtige Zeit mit ihren großen Sorgen und Herausforderungen und ich fand diese Geschichte über eine Freundschaft als Symbol der Menschlichkeit  passte irgendwie in diese ebenso bizarre Zeit, - ganz anders und doch mit entfernten Ähnlichkeiten zu damals.
Maikäfer flieg!… das erinnert mich auch noch an wirkliche Maikäfer die wir als Kinder sammelten und in einer Zigarrenkiste mit zarten Buchen blättern fütterten. Mir waren diese Käfer suspekt, ich mochte es nicht wenn sie mir über den Handrücken liefen. Die Jungs aus dem Dorf warfen die Käfer in die Hühnerställe und die Eidotter wurden dunkel.
Heute sind Maikäfer selten geworden, - jedenfalls hier rund um den Zauberberg.
Doch immer noch klingen jedes Jahr die  Lieder vom Wonnemonat Mai durch die Lüfte und das ist wundervoll.
Für uns Gartenmenschen geht es nun erst richtig los mit der „Arbeit“ Ich mag es nicht gerne „Arbeit“ nennen, denn es ist ja doch immer mehr ein Vergnügen, eine Leidenschaft, eine Meditation, ein Sport, ein Abtauchen, ein Trost, eine Wonne, eine Freude, ein Glück…und noch viel mehr, wenn man sich jede Blüte anschaut und die Sonne auf der Haut spürt oder den Regen ersehnt.
Also… wie Anfang April angekündigt, habe ich Kartoffeln gepflanzt, sie sind allesamt herausgekommen, hab sie „angehäufelt“ um sie warm zu halten. Ich habe Salat gesät und Radieschen und Wilde Rauke, die vielerlei Arten Steckzwiebeln gesteckt, sie sind alle da, - den Hopfen zurückgedrängt und die Beete für die „empfindlichen“ Gemüsesorten vorbereitet. Wie gut, - denn die Eisheiligen waren sehr ungnädig in diesem Jahr, frostig und unerbittlich in den klaren Nächten.
Die Buschbohnen und die Stangenbohnen müssen die „Mittagglocke läuten hören“, so sagte es meine Großmutter. Was bedeutet man darf sie nicht zu tief „legen“ sonst keimen sie nicht. Auch brauchen sie viel Wärme, genau wie die Kürbisse, Zucchini, der Spinat und die Karotten, Sellerie und Lauch, Setzlinge von Kohlrabi und Blumenkohl.
Dann verpflanze ich den Muskatellersalbei der sich überall am vorjährigen Standort selbst vermehrt hat. Er würde reichen um mehrere Klostergärten damit auszustatten….( und ich habe noch welche, die ich gerne in gute Hände abgeben würde.) Meine Idee wäre ihm, dem Muskateller, - die Königskerze zur Seite zu stellen, - bin gespannt wie sie sich ergänzen werden!
Liebe Leute, manchmal spreche ich mit mir selbst in etwa so: „Margit, Margit, was bitte schön willst du mit 148 kleinen Pflänzchen des „Weißen Fingerhuts“ machen? Spinnst du? Oder wohin sollen die 46 pikierten gefüllten tief rosa Stockrosen? Und wohin willst du die weißen Cosmea pflanzen? Bin ich denn nun wirklich verrückt?
Und: Margit, was willst du mit den tausend Sämlingen der Calendula machen? Nicht genug, du hast auch noch welche g e s ä t! Es sind doch weiße Calendula sag ich mir. Beruhige dich…!
( wer also ein paar meiner „Winzlinge“ aufnehmen möchte, mag sich bei mir melden!)

Dazu kommen die Gartenrundgänge mit Stauden im Korb… Kann man einen Garten aufstocken, in den Himmel wachsen lassen?

Nicht genug meiner Hingabe zum „Umpflanzen“ nun entdecke ich auch noch die Freude am Aussäen der Ein, Zwei und Mehrjährigen… Irgendwo narrt mich der Traum von einem weitläufigen Park… mit unendlichen Staudenbeeten, Sträuchern, Rosen, Wiesen und Wäldchen, Lichtungen und verwunschen Pfade und gurgelnde Bächlein… und erwache dann immer wieder in meinem Garten der gemessen an anderen „Hausgärten“ wirklich nicht klein ist…
Ich kann den Fürsten und Landschaftskünstler Hermann von Pückler Muskau nur zu gut verstehen…Leidenschaft und Inspiration gepaart mit Tatkraft und dem nötigen Kleingeld (was ich nicht habe,- jedenfalls nicht in diesem Leben..)
und daraus entsteht ein unvergleichlicher Park, ein Weltkulturerbe!


Wir Gärtnersleute sind im Grunde doch glückliche Menschen!

Voller Zuversicht, mit viel Zeit, meinem größten „Luxus“, welche sich in den vergangenen Monaten sicherlich auch noch vielen anderen Menschen plötzlich als Luxus zeigte, - werde ich in meinen Garten pflegen, die Bohnen gießen und die letzen „freien Plätzchen“ entdecken um sie zu füllen. Ich werde in diesem Jahr nicht vergessen, einfach nur zu sitzen und zu denken… oder nur zu träumen. Oder durch die Wälder streifen und Räuberlager entdecken!
Maikäfer flieg!… die unbeschwerten Tage im Mai pflücken wie eine Hand voll Margeriten mit Wiesenkerbel, Kuckuckslichtnelke, Witwenblume und Sauerampferblüten. Tun sie es mir gleich:
Genießen sie den Garten, die Landschaft, die grandiose Natur des Maimonats…
bis bald,
dann mehr von mir und aus dem „Garten für Elise“
versprochen!
Herzlichst
Margit





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