15 Februar 2010

Haus und Waldarbeit: Fastnachtsküchle

Zum morgigen "Fastnachtsdienstag" habe ich einen weiteren Textabsatz aus meiner Geschichte "Haus und Waldarbeit" ausgewählt.
Beim Lesen stieg mir der verführerische Erinnerungshauch frisch gebackener Fastnachtsküchle in die Nase und ich musste mich zurückhalten nicht sofort das alt überlieferte Rezept für diese Köstlichkeiten heraus zu suchen.Die heutigen "Berliner" die gerne am Fastnachtsdienstag gekauft werden, haben mit ihrer klebrig, süßen Geleefüllung und dem vielen Zucker in denen sie gewälzt werden, nur im entferntesten mit dem Fastnachts-Gebäck zu tun welches meine Großmutter aus ihrer Pfanne zauberte.Das können sie mir glauben!

Hier also der Geschmack von Hausarbeit und den Fastnachtsküchle...

...Während also die Männer „außer Hof“ waren, nützte man im Haus die Zeit um aufzuräumen, und liegengebliebene Arbeiten zu tun. Die vorher gewaschenen Kartoffelsäcke wurden bei Bedarf geflickt. Meine Großmutter holte einen Berg Kleider und Wäsche aus der Kammer. Ganz hinten in der Küche unter dem Fenster stand die alte Nähmaschine. Sorgfältig lag eine schöne bestickte Decke über sie geworfen. Vorsichtig schob meine Oma dieses Kleinod zurrecht, faltete die Decke zusammen und strich zärtlich über das schöne Nussbaumholz und die Perlmutintarsarien ihrer Nähmaschine. Ich stand daneben und sah zu. Sah das kleine Schiffchen das sie in eine geheimnisvolle Vertiefung legte. Sah, wie sie die ein kleines rundes Teil, aufspulte. Ich erfuhr dass, dies die Spule war, und dachte sogleich an das Märchen von der Frau Holle. Dann setzte sich die alte Frau, an die Maschine, die Füße brachten das Rad zum Laufen, die Nadel flog über die Stoffbahnen. Ein rhythmisches Rattern unterbrach die friedvolle Stille in der Küche, und die Sonne lachte freundlich durch das Fenster. Dieses Bild ist in meiner Stube der Erinnerung lebendig.
Bald musste ich auch alles lernen: Die Spule erneuern, das Schiffchen einsetzen und geradeaus nähen. Es war einfach wunderschön. Dabei hörte ich die Geschichten der vielen Kinderkleider, der unzähligen Bettbezüge und Kopfkissen, der Tischdecken und Leinensäckchen die alle auf dieser alten Nähmaschine entstanden sind, die ich schon seit vielen Jahren in aller Ehre halte.

Jeder neue Tag war voller Überraschungen, angefüllt mit Spielen, Lernen und „kulinarischer Abenteuer“

Kennen sie auch den Kinderreim: Lustig ist die Fasenacht, wenn mei Mutter Küchle backt….wenn sie aber keine backt, dann pfeif ich auf die Fasenacht?

Am Fastnachtsdienstag wurden traditionell die Fastnachtsküchle gebacken. Das war ein ähnliches Unterfangen wie bei den Dampfnudeln. Die Küche glich einer Großbäckerei. Aus dem dick ausgewellten Hefeteig wurden die Küchlein mit einem in Mehl getauchten Glas ausgestochen. Auf dem Herd brutzelte das Fett in der großen schwarzen Pfanne. Darin schwammen die Küchle bis sie goldbraun waren. Der köstliche Duft zog durchs ganze Haus. War eine Schüssel voll, war sie unversehens wieder leer, denn jeder der in die Küche trat bediente sich von dem köstlichen Gebäck. Zu Mittag stand dann noch ein Topf mit gekühlter Vanillesoße auf dem Tisch und wir hatten unseren unvergesslichen Faschingsschmaus.

Margit, mit warmherziger Erinnerung Februar 2003

Zauberhafte Fastnachtsgrüße
a presto
m

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