18 Juni 2009

In einem fremden Park...










Denn Gärten sind, - von Königen gebaut,
die eine kleine Zeit sich drin vergnügten
mit jungen Frauen, welche Blumen fügten
zu ihres Lachens wunderlichem Laut.
Sie hielten diese müden Parke wach;
sie flüsterten wie Lüfte in den Büschen,
sie leuchteten in Pelzen und in Plüschen,
und ihrer Morgenkleider Seidenrüschen
erklangen auf dem Kiesweg wie ein Bach.

Jetzt gehen ihnen alle Gärten nach -
und fügen still und ohne Augenmerk
sich in des fremden Frühlings helle Gammen
und brennen langsam mit des Herbstes Flammen
auf ihrer Äste großem Rost zusammen,
der kunstvoll wie aus tausend Monogrammen
geschmiedet scheint zu schwarzem Gitterwerk.

Und durch die Gärten blendet der Palast
(wie blasser Himmel mit verwischtem Lichte),
in seiner Säle welke Bilderlast
versunken wie in innere Gesichte,
fremd jedem Feste, willig zum Verzichte
und schweigsam und geduldig wie ein Gast.
Rainer Maria Rilke
aus: Das Stundenbuch


Musestunden im Garten, mit einem Buch als guten Freund und den Gartengedichten von Rilke, die mich wie schon so oft auf ganz vielschichtige Weise ansprechen.

Wo ist zu diesem Innen
ein Außen?
(aus: Das Rosen -Innere R.M.Rilke)

Liebe Abendgrüße
a presto
m

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